Mit Sam und den Pianotwins durch Osaka

 

„Bicycle bicycle bicycle

I want to ride my bicycle bicycle bicycle

I want to ride my bicycle

I want to ride my bike

I want to ride my bicycle

I want to ride it where I like“

Alles begann mit einer losen Anfrage an Cycle Osaka, ob sie denn nicht eine Tour für 20 velophile Raumplanungsstudenten zusammenstellen könnten. Zu diesem Zeitpunkt war wohl uns und ihnen noch nicht wirklich klar was uns erwarten würde, aber dazu später mehr…

Flux bekamen wir eine Antwort und der Plan stand – zumindest in groben Zügen. Da die Ressourcen für 20 Menschen velotechnisch nicht vorhanden waren, wurden wir zu Beginn des Tages in 2 Gruppen aufgeteilt. Die erste, per pedes unterwegs, die zweite per velo auf Erkundungstour. Einfachheitshalber wird die folgende Tour nur aus einer Perspektive vorgestellt.

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Eine Runde „Schnick, Schnack, Schnuck“ und es stand fest, unsere Gruppe durfte die ersten paar Stunden in Osaka zu Fuß erleben. Da der Zeitplan straff gesetzt war und Osaka mit 2,5 Millionen Einwohnern auch nicht gerade die kleinste Stadt ist, machten wir uns sogleich auf den Weg. Von Fukushima Station aus, die eine Station vom Osaka Hauptbahnhof entfernt liegt, liefen wir schnurstracks in Richtung Osaka Central Station und durch den neu errichteten Business District, der in rekordverdächtiger Zeit aus dem Boden gestampft wurde. Um einen ersten Überblick über Osaka zu bekommen, ging es über unzählige Rolltreppen auf die höchste Etage des Hauptbahnhofes, wo uns ein kleiner, pitoresker Roofgarden erwartete. Von hier aus sahen wir dann auch zum ersten mal den Umeda Sky Tower, der mit seinen 173 Meter zu den höchsten Gebäuden in Japan zählt. Unmittelbar vor der Central Station konnte man eine größere Brachfläche erkennen, die, wie uns Sam (Guide) erzählte, früher eine Art Remise war und in Zukunft in einen Park umgewandelt werden sollte. Es sollte die letzte freie Brachfläche bleiben die wir an diesem Tag zu Gesicht bekamen. Einen Steinwurf weiter wartete der nächste „Roofgarden“ auf uns. Hinein in den Rachen des Konsumtempels und vorbei an unzähligen Shops und Restaurants bekamen wir den entgegengesetzten Ausblick auf Osaka geliefert. Immer noch kaum ein Ende des Siedlungsgebiets zu erkennen…

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Und da es ja stets höher hinaus gehen kann, wurde das ganze mit einem Besuch auf der Aussichtsplattform des Umeda Sky Towers abgerundet. Der Höhenangst trotzend ging es schließlich die 173 Meter im Außenlift auf das Dach des Gebäudes bzw. auf das Dach der Gebäude, denn Komplex hat die Form eines U´s und wird oben durch die Aussichtsplattform umschlossen. „Atemberaubend“, so touristisch und wortakrobatisch lässt es sich wohl am besten beschreiben. Es war ein erster Vorgeschmack auf das was uns in Tokyo erwarten würde. – Unendliche Weiten – vor allem bebauter Umwelt! Nicht enden wollend… Nach gut 3 Stunden und einer Vielzahl an Panoramafotos für das Familienalbum ging es schließlich zum wohlverdienten Lunch in ein Hybrid aus Restaurant/Bar/Flohmarkt/Ping-Ponghalle und Skurrilitätenshow, gewürzt mit einer Briese aus Katzenkaffee.

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Gestärkt durch das vorzügliche Mahl und der anschließenden sportlichen Aktivität am lokalen Ping-Pongtisch wurden die Gruppen getauscht und wir durften mit den großartigen Londoner Pianotwins Ben & Ed auf Erkundungstour. Doch diesmal per velo, was unseren geschunden Füßen recht angenehm tat. Nonstop ging es durch Seitengässchen in Richtung Waterfront, genauer genommen an die Ufer eines Seitenarmes des Yodo´s, wie der Hauptfluss, der sich durch Osaka schlängelt, genannt wird. Der Weg entlang der Waterfront war perfekt geeignet für eine Radtour und gesäumt von kleinen und größeren Parkanlagen. Der erste Zielort unserer Cycle Tour war das ehemalige Rathaus von Osaka. Das an den Ufern liegende und durchaus exponierte neo-klassizistische Gebäude bestach durch seine Unangepasstheit. Gebaut wurde es zur Zeit des ersten WK und der Stil dürfte am besten mit angelsächsischem Neoklassizismus umschrieben sein. Ob sich dieses Bauwerk jemals in das Ensemble eingepasst hat, darf durchaus bezweifelt werden.

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Weiter gen Osten ging es in Richtung Osaka Castle. Doch zuvor machten wir noch einen kurzen, aber mückenreichen Stopp in einem Zengarten, der situiert war zwischen einem rennaisancenem, tempelgleichen Gebäude und ein an amerikanische Villen erinnerndes Gebäude. Nach gefühlten 34 Zengärten die wir bis dahin bewundern durften, war der gegebene stilbruch doch deutlich aufregender, als der Garten selbst … Dem Motto folgend „durch sieben Gärten musst du gehen“ ging es schließlich direkt zum Osaka Castle.

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Die steilen Erschließungswege erklimmend, kamen wir in der Folge in den großzügig angelegten Parkanlagen des Schlosses an. Das ursprüngliche Bauwerk wurde 1586 von Toyotomi Hideyoshi nach dreijähriger Bauzeit vollendet und war damals die größte Burganlage des Landes. Die heutigen Bauten sind eine Rekonstruktion von 1931 in Stahlbeton und wurden 1997 aufwendig restauriert. Das Versprechen unserer Guides des „most amazing views over the Osaka Castle“ wurde zumindest postkartentechnisch gehalten und somit mussten sie die Wettschulden nicht begleichen und uns die Tourkosten rückerstatten. Ein kurzes Gruppenfoto später (anzumerken wäre, dass es diesmal nicht uns, sondern unserer Fahrräder traf) ging es in Richtung America-mura, der Brutstätte des kleinen Glückspiels & aller anderen erdenklichen Laster.  Auf japanisch bedeutet America-mura so viel wie amerikanisches Dorf. Zu finden ist es westlich der Einkaufssarkade Shinsaibashi-suji. Bekannt ist es auch für den Nachbau der Freiheitsstatue und die unzähligen kleinen Läden und Boutiquen zum Thema amerikanischer Lebensstil. Des Weiteren gibt es hier eine Menge an Bars, Nachtclubs und Love Hotels zu finden. In America-mura findet man vor allem jüngeres, und auf gut wienerisch würde man sagen „boboeskeres“, Publikum. Bezogen auf die Sightseeingspots war America-mura unser letztes To do für diesen Tag. Gekrönt wurde das ganze schließlich von einer 10-köpfigen Fotosession in einer Foto-Kabine, mit nachträglichen, digitalen, und als gelungen zu wertenden Korrekturmaßnahmen an den Fotos selbst.

Schön war´s!