Familie und Verwandtschaft

In der Meji-Zei wurde die Familie (Ie) als kleinste Organisationseinheit  des Staates gesehen, in der das Familienoberhaupt die Kontrollmacht ausübte. Wichtiger als Verwandtschaftliche Beziehungen waren die Zugehörigkeit zum Haushalt, dies schloss auch nicht blutsverwandte Personen ein.   Die Zugehörigkeit wurde durch wirtschaftliche Faktoren bestimmt, Hauptzweck war der Fortbestand des Hauses. Aus diesem Grund war auch Adoption weitverbreitet, häufig wurden „Stammhalter“, etwa schon erwachsene Männer die den Familienbetrieb weiterführen sollten, oder auch Schwiegersöhne,  adoptiert.

Im Gegensatz zum Ie beschreibt der Begriff Shinrui  die Blutsverwandten eines Paares. Wird die Zugehörigkeit zu einem Haus über die väterliche Verwandtschaft bestimmt sind hier Onkel, Tanten Cousins und Cousinen der patrilinearen und matrinilearen Verwandten gleichermaßen begriffen.

http://www.dijtokyo.org/doc/JS19_Mae-Schmitz.pdf

 

Koseki – das Familienregister

Das Koseki ist ein Dokument zur Erfassung von Familien. Es wurde 1871 als Familienregister eingeführt und enthält Geburten, Todesfälle, Heiraten und Scheidungen. Es gibt keine individuellen Urkunden wie Geburts-, Sterbeurkunden, oder Heiratsbescheinigungen sondern alle Informationen werden im Koseki der Familie eingetragen. Heiratet ein Kind bekommt die neue Familie ein eigenes Koseki, ledige Kinder verbeiben, egal wie alt sie sind, im Koseki der Eltern.

Früher waren auch Abstammungslinien aus dem Koseki ersichtlich, um diskriminierung aufgrund der Herkunft zu verhindern wurden diese Angaben jedoch gelöscht und auch der Zugriff auf das Koseki erschwert. Heute dürfen nur die Polizei und die in dem jeweiligen Koseki angeführten Personen darauf zugreifen.

http://www.japanfocus.org/-Shin-Ki_young/3593

http://de.wikipedia.org/wiki/Koseki

 

Übergangsriten

Im Laufe eines Lebens gibt es sozial definierte Ereignisfolgen die sich einerseits an Jahreszeiten, oder Kalender orientieren und andererseits durch den individuellen  Lebenszyklus beschrieben sind.

Geburt und Namensgebung

Mit dem ersten Schrei wird das Kind zum Menschen. Dabei geht ein unsterblicher Geist der Ahnen in den Körper ein und geht somit von einer Generation zur Nächsten.

Die Auswahl des Namens ist von größer sozialer Bedeutung.  Gewisse Namen sind Tabu, auch wenn nur der Klang ähnlich sein sollte. Der Name zeigen mitunter Rang und Beruf oder die Position in der Geschwisterfolge (Ichiro  -> erster Sohn). Früher wurden (in wohlhabenden Familien, sogar verschiedene Namen mit steigendem Alter angenommen.

Volljährigkeit

gesetzlich ist die Volljährigkeit mit 20 Jahren erreicht. Am Volljährigkeitstag (15. 1., Nationaler Feiertag) gibt es Feierlichkeiten für alle die in dem jeweiligen Jahr volljährig werden.

Hochzeit

Die Hochzeitsfeiern werden größzügig gefeiert und sind meist sehr teuer.Gesetzlich genügt die Eintragung ins Koseki wobei die Frau den Namen des Mannes annehmen muss. Viele verzichten daher auf die Eintragung, ein Antrag zur Gesetzesänderung scheiterte schon oft, zuletzt im Jahr 2000. Über 50% der Ehen werden mit einem christlichen Ritual gefeiert.

Alter

Traditionell war der Übergang ins Alter nach Vollendung eines Sechzigjahrezyklus.die 60 Jahre ergaben sich aus einer Kombination der 12 Tierkreiszeichen und der 5 Elemente.  Das Fest kaureki  (die Wiederkehr des Kalenders) symbolisierte eine Rückkehr zum Anfang.

Traditionell ehrte man das Alter, mittlerweile wird es eher als Bürde empfunden, das Alter wird „gewöhnlicher“  und daher mit weniger Ehrfurcht betrachtet.  Vergleichsweise sind aber immer noch wenig Menschen in Pflegeheimen untergebracht sondern die Familie übernimmt traditionell diese Aufgabe.

Tod

Mit dem Tod verlässt der Geist der Ahnen wieder den Körper. Beerdigungen sind zu 90% buddhistische Zeremonien. Die Urne wird für 94 Tage zuhause in einem Altar aufbewahrt  danach auf einen Friedhof gebracht. Zum Gebrauch in der Geisterwelt vergibt  ein Priester einen (kostenpflichtigen!) posthumen Namen, dieser wird am Friedhof auf einer Gedenktafel angebracht.

 

Ehe und Scheidung

Ursprünglich wurden, abhängig von der Stellung der Ehepartner zu ihren Ursprungsfamilien, drei Arten der Ehe unterschieden:

  • futsū kon’in (普通婚姻,): Die Braut heiratet in die Familie des Bräutigams,
  • Nyūfu (入夫): Der Bräutigam heiratet eine Braut, die Haushaltsvorstand ist,
  • Muko yōshi (婿養子): Der Bräutigam heiratet in die Familie der Braut und wird gleichzeitig als Stammhalter in diese Familie adoptiert und nimmt deren Namen an.

Die beiden letzteren Formen, waren bis in die Edo-Zeit noch recht häufig verbreitet wurden danach jedoch immer unbedeutender.

Scheidungen sind im modernen Japan eher selten, doch das war nicht immer so. Im Vergleich zu westlichen Industrieländern verlief die Scheidungsrate gegenläufig. Waren Scheidungen im 19. Jahrhundert noch sehr einfach und vergleichsweise zahlreich  so  nahm die Zahl in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts rapide ab. Im Vergleich zu Europa hatte die Ehe weniger religiösen Stellenwert als wirtschaftliche Funktion, daher war es auch nicht verpönt eine Ehe aufzulösen. Mit Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches  und des kosekis 1898 wurde die Formalitäten die für die Auflösung einer Ehe nötig waren verstärkt. Zusätzlich veränderte sich der gesellschaftliche Stellenwert der Ehe und auch der Geschlechterrollen.

 

Unterhaltsanspruch

Besonders bei kinderlosen Ehen war es nicht üblich, dass dem wirtschaftlich schwächeren Ehepartner  (d.h. fast immer der Frau) dauernder Unterhaltszahlungen zugesprochen wurden.

2007 wurde das Pensionsrecht dahingehend reformiert, dass Frauen im Falle einer Scheidung Anspruch auf Versorgungsausgleich erhalten. Trotzdem sind die wirtschaftlichen Voraussetzungen für geschiedene und speziell alleinerziehende Mütter sehr schwierig.

http://www.uni-hamburg.de/oag/noag/noag2002_4.pdf

 

Omiai – Heiratsvermittlung

Omiai ist die nicht mehr sehr verbreitete Tradition der Ehevermittlung. Besonders im ländlichen Japan sind unverheiratete Frauen, die älter als 25 Jahre sind, und Männer, um die 30, einem starken gesellschaftlichen Druck ausgesetzt eine Ehe einzugehen. Um nicht als sog. „liegengebliebener Weihnachtskuchen“ (die nach dem 25. keiner mehr haben will) zu gelten werden im manchen Fällen immer noch vermittelte Ehen eingegangen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Omiai

 

Geschlechterrollen

sengyo-shufu „Berufshausfrau“

die typische Familie besteht aus einem Mann der als „salaryman“ bei einem Großunternehmen arbeitet, und einer Frau, die entweder bis vor der Hochzeit, oder bis zur Geburt der Kinder als „office lady“ tätig war, und danach als „Berufshausfrau“ („sengyo-shufu“) gilt.

http://www.japan.ahk.de/japan-tipps/land-leute/gesellschaft/

 

Yamato Nadeshiko

ist ein Begriff der das klassische japanische Frauenideal bezeichnet. Eine Yamato Nadeshiko ist hübsch, anmutig, und dezent gekleidet. Sie vereinbart die besten Charakterzüge einer Hausfrau, einer Geisha und eines Samureis.

Der Begriff bezeichnet jedoch keine konkrete Person, auch wenn er wie ein normaler japanischer Name klingt. Sondern ist eine Zusammensetzung der  Provinz Yamato, der Keimzelle des heutigen japanischen Staates, und der Blumenart nadeshiko  (Prachtnelke)

http://de.wikipedia.org/wiki/Yamato_Nadeshiko

 

Global gender gap report

Der global gender gab report wird vom  world economic forum erstellt und untersucht die Gleichstellung von Männern und Frauen in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Politik und Gesundheit Im Jahr 2012 erreichte Japan nur den 101 Rang. Im Vergleich dazu lag Österreich auf Platz 20 und Deutschland auf Platz 13.

http://www3.weforum.org/docs/WEF_GenderGap_Report_2012.pdf

 

Sexualität

Sexualität unterliegt i Japan weniger moralischen Zwängen als in Europa. Sie ist Teil der Privatsphäre und im Gegensatz zur öffentlichen Seite einer Person steht alles was privat geschieht nicht zur Diskussion.  Diese Einstellung führt zu einem recht lockeren Umgang mit Stundenhotels (Love Hotels) und Pornografie.

Dies mag einerseits eine sehr liberale Einstellung sein, jedoch wird dadurch das öffentliche Ausleben z.B. homosexueller Beziehungen gesellschaftlich nur wenig akzeptiert. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind somit in den privaten Teil verdrängt und daher gibt es auch keine rechtliche (also öffentliche)  Gleichstellung  gegenüber heterosexuellen Paaren.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/26392/

http://de.wikipedia.org/wiki/Homosexualit%C3%A4t_in_Japan