Naturgefahren- und Katastrophenmanagement in Japan

Naturgefahren:

In der unmittelbaren Nähe Japans treffen vier tektonische Platten (eurasische-, philippinische-, pazifische- und die nordamerikanische Platte) aufeinander. Durch deren seismische Aktivitäten, kommt es verhältnismäßig oft zu Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüchen. Die Verschiebungen der einzelnen Platten können jährlich mehrere Zentimeter betragen. Besonders kritisch wird die Verschiebung der pazifischen Platte unter die eurasische Platte gesehen, da diese unmittelbar vor der Japanischen Küste aufeinandertreffen. Eine weitere Gefahr stellt der sogenannte „pazifische Feuerring“ dar. Dieser besteht aus mehr als 240 Vulkanen, von denen immerhin noch 40 aktiv sind. Durch diese vulkanischen Aktivitäten kommt es täglich zu leichteren Erdbeben und auch schwerere Erdbeben treten gehäuft auf.

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Foto: Abbildung der Plattendriften und des „Ring of Fire“. Quelle: „Die Presse“

Erdbeben:

In der Geschichte Japans gab es schon immer verheerende und schwere Erdbeben mit zahlreichen Toten. Katastrophal waren aber nicht nur die Beben selbst, sondern auch deren schreckliche Nachwirkungen. Die Anzahl der Toten durch die Nachwirkungen von Erdbeben war meist genauso hoch, oder sogar höher, als die Zahl jener die direkt durch das Beben starben. Dieser Umstand lässt sich zum Beispiel auf Feuer oder auf einstürzende Häuser (die meisten waren aus Holz), und Seuchen zurückführen. Auch den Beben folgende Tsunamis steuerten ihr Übriges zu den Katastrohen bei.

Exkurs Tsunami:

Tsunamis sind extrem große Wasserwellen, welche durch Seebeben entstehen können. Auf dem offenen Meer kann man sie so gut wie gar nicht erkennen. Treffen sie allerdings auf flaches Küstengewässer, werden die gewaltigen Wassermassen gestaut und zu einer hohen Flutwelle aufgestaut. Diese kann auch problemlos weit ins Landesinnere hinein für Verwüstungen sorgen.

Die schlimmsten Erdbeben in der Geschichte Japans:

1703: In der Nähe der Stadt Edo in der Provinz Saitama gab es 6.500 Tote durch das Erdbeben selbst und mehr als 150.000 Tote durch Folgen wie Tsunami und Feuer.
1855: Das Ansei-Edo- Erdbeben brach mit einer Stärke 7.3 aus und forderte zwischen 16.000- 20.000 Tote.
1891 kam es nördlich von Nagoya zu einem Beben der Stärke 8. Die Folge waren Mehr als 7.000 Tote.
1923: Das Kanto-Erdbeben in Yokohama und Tokio mit einer Stärke von 7.9 (nach Richter) forderte 99.000 Tote. Dem Beben folgte ein etwa 12m hoher Tsunami. Die Zahl der Vermissten wurde mit mehr als 40.000 beziffert. Noch heute ist der 1. September Gedenktag, an dem anlässlich des Bebens eine Katastrophenübung abgehalten wird.
weitere schwere Beben: 1948, 1995, 11.03.2011

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Foto: Verortung Von Erdbeben in Japan. Quelle: David Bresson 2011 (a)

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Foto: Holzschnitt aus dem Jahr 1855. Quelle: David Bresson 2011 (b)

Die Abbildung zeigt den Gott Kashima (oben rechts) an einem Tisch sitzen. Er sieht zu, wie ein Helfer, einen großen Stein auf dem Kopf von Namazu mit einem Hammer zerschlägt. Der Wels Namazu wird für das verheerende Beben von 1855 verantwortlich gemacht. Der Prozedur wohnen sechs weitere Welse bei, die Erdbeben in der Vergangenheit verkörpern.

Skalen:

Mitte des 19. Jahrhunderts bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts. wurde rasch damit begonnen, Erdbeben wissenschaftlich zu erforschen. Bereits 1884 wurde die „Jma“- Skala entwickelt. Sie wurde speziell für den Bereich Japan und Taiwan entworfen. Die „Jma“- Skala sollte die Intensität eines Erdbebens zunächst in 4 Stufen messen. Ab 1900 kamen noch weitere 3 Stufen dazu. 1951 wurde die Skala soweit modifiziert, dass sie die Grundlage für die auch heute noch verwendete Form darstellt. Der Unterschied der „Jma“- Skala zu anderen Skalen liegt darin, dass sie die Auswirkungen eines Erdbebens an der Oberfläche beschreibt. Die „Momentan Magnituden Skala zum Beispiel dient eher der Bestimmung der Erdbebenstärke. Hier wird der Maximalwert mit 10,6 angenommen. Dieser Wert würde bedeuten, dass das Beben so stark ist, um die Erdkruste aufspringen zu lassen.

Probleme:

Die durch Erdbeben und ihre Nachwirkungen entstehen naturgemäß Probleme für die Infrastruktur. Dies betrifft nicht nur Straßen, Siedlungen, Metropolen oder landwirtschaftliche Flächen. Vor allem Atomkraftwerke, welche zum Zwecke der Kühlung oftmals ans Meer gebaut werden, sind hoch gefährdet und anfällig für Tsunamis.

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Foto: Abbildung von Atomkraftwerkstandorten (rot= Fukushima 1). Quelle: Wikipedia

Im November 2010 betrieb Japan 55 Kernkraftwerke mit einer Leistung von etwa 48.000 Megawatt und 50 Versuchreaktoren. Bauvorschriften wie etwa der Einbau von Erdbebenmessgeräten, das automatische Herunterfahren des Kraftwerks ab einer bestimmten Bebenstärke, der Bau auf felsigem Untergrund oder das Errichten von Tsunamimauern sollten die Sicherheit der Kraftwerke und der Bevölkerung dienen. Vor der Katastrophe in Fukushima gab es Pläne, weitere 12 Kernkraftwerke zu bauen. Nach Fukushima wurde dies jedoch überdacht und ein Ausstieg aus der Atomenergie bis 2040 festgelegt. Mittlerweile wurde diese Frist jedoch auf unbestimmte Zeit verlängert. Die Katastrophe von Fukushima führte zu neuen, strengeren Bauauflagen. Kraftwerke müssen nun Momentmagnituden von 7,75 bis 8,25 (in besonders gefährlichen Gebieten) standhalten. Das Tohoku- Erdbeben von 2011 hatte jedoch eine Momentmagnitude von 9,0 und eine Intensität von 7 nach der „Jma“- Skala.

Tohoku- Erdbeben, 7 nach „Jma- Skala:

Die gezielte Fortbewegung von Menschen wird durch das Beben unmöglich gemacht. In Gebäuden werden fast alle Möbel bewegt und einige fliegen durch die Luft. Alle Fensterscheiben und Ziegel werden beschädigt und fallen herunter. Verstärkte Steinmauern können ebenfalls einstürzten. Sogar manche Erdbebensichere Häuser stehen schief oder tragen schwere Schäden davon. Es kommt zu einem weit verbreiteten Ausfall der Strom-, Gas- und Wasserversorgung. Es sind große Erdspalten, Erd- und Bergrutsche und sogar Veränderungen der Topographie möglich.

Tohoku- Erdbeben nach Momentmagnitude:

Magnitudenwert: 9
Energie in Joule: 2,0*10^18
Menge TNT( in t): 475 Mio. t
Vergleich zu Hiroshima (12,5 kT TNT): 38.000

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Foto: Die Abbildung zeigt die Präfektur Minamisoma mit der Stadt Kashima 2003 (oben) und 2011, nach dem Tsunami. Quelle: Wormser Zeitung

Katastrophenmanagement:

Das Katastrophenmanagement (KM) ist in Japan gesetzlich verankert. Es gibt einzelne Gesetze zu Präventionsmaßnahmen, zur Schadensbegrenzung, zu Notfallmaßnahmen und Gesetze zur Erholung und zur Rehabilitation von betroffenen Gebieten. All diese Gesetze und Richtlinien wurden in einzelnen, verschiedenen Novellen erlassen:

1850 Building Standard Law
1897 Erosion Conrtrol
1947 Disaster Reflief Act
1958 Landside Prevention Act
1961 Desaster Countermeasures Basic Act
1964 River Act
1978 Special Measures for Large-scale Earthquakes

Das Katastrophenmanagement (KM), wird vom zentralen KM- Konzil betrieben. Dieses bildete sich 1961 im Zuge des Desaster Countermeasures Basic Act. Die Aufgabe des Konzils besteht in der Bewerkstelligung der Vollständigkeit der Katastrophenvorsorge. Es werden also wichtige Themen zum Katastrophenschutz aufgegriffen und diskutiert.
Das Konzil besteht aus dem Premierminister, dem Minister des Katastrophenmanagements und andern wichtigen Ministern (Energie, Infrastruktur etc.). Diese Konzile gibt es auch auf Ebene der Präfekturen. Hier setzten sie sich aus den verschiedenen regionalen Behörden und Organisationen wie Feuerwehr oder Polizei zusammen. Diese regionalen Konzile sind auch für die Erstellung der Katastrophenmanagementpläne verantwortlich.
Diese Pläne regeln, welche Organisation oder Körperschaft im Notfall welche Aufgabe zu erfüllen hat. Sie geben auch Aufschluss darüber, welche Abläufe, Gegenmaßnahmen und sonstige Aktivitäten zu unternehmen sind. Maßnahmen zum Wiederaufbau und zur Rehabilitation sind ebenfalls in den KM- Plänen festgelegt.

Quellen:

Die Presse in der Printausgabe vom 12.03.2011: http://diepresse.com/home/panorama/welt/641252/Geologie_Japan-liegt-auf-dem-Feuerring
David Bresson (a) am 11.03.2013:

http://historyofgeology.fieldofscience.com/2011/03/historic-earthquakes-in-japan.html

David Bresson (b) am 11.03.2013:

http://historyofgeology.fieldofscience.com/2011/03/historic-earthquakes-in-japan.html

Wikipedia: aufgerufen am 14.06.2013

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kernreaktoren_in_Japan

Wormser Zeitung vom März 2013

http://www.wormser-zeitung.de/b_10321724.htm?skip=5&uri=/nachrichten/index.htm